Finanzen
Ist Griechenland überhaupt noch zu retten?

Wie sinnvoll ist die Rettung Griechenlands?

Wie sinnvoll ist die Rettung Griechenlands? (Foto: Mopic | Shutterstock)

Frage:

Die EU beschließt ein Hilfspaket nach dem anderen. Aber hat das überhaupt noch einen Sinn? Kann man Griechenland wirklich retten oder geht daran am Ende die ganze Europäische Union zu Grunde?

Antwort:

Ob Griechenland gerettet wird, ist keine Frage des Könnens, sondern eine Frage des Willens.

Griechenlands Volkswirtschaft ist klein

Die griechische Volkswirtschaft ist mit einem Bruttoinlandsprodukt von 230 Milliarden Euro vergleichsweise klein. Zum Vergleich:

  • Deutschland 3.667 Milliarden
  • Italien 1.773 Milliarden
  • Frankreich 2.130 Milliarden

Griechenland rangiert in Bezug auf die Finanzkraft etwa auf dem Niveau eines durchschnittlichen, deutschen Bundeslandes. Die finanzielle Schieflage könnte ohne weiteres durch die wirtschaftlich starken Staaten Europas aufgefangen werden. Man befürchtet aber, durch eine vorschnelle Rettung, andere schwache südeuropäische Staaten ebenfalls zur Beantragung von Rettungsmaßnahmen zu ermutigen.

Märkte spekulierten auf griechische Staatspleite

Griechenlands Schulden sind zwar hoch, aber zu bewältigen:

  • Japan 190% des BIP
  • Italien 116% des BIP
  • Griechenland 115% des BIP
  • Belgien 97% des BIP
  • USA 83% des BIP
  • Deutschland 74% des BIP

(BIP – Bruttoinlandsprodukt)

Griechenland ist nicht etwa an der normalen Zinslast gescheitert, sondern daran, dass die Finanzmärkte gezielt auf eine Pleite Griechenlands spekuliert haben. Die Uneinigkeit der europäischen Regierungen in Bezug auf eine Intervention hat diese Spekulationen noch befeuert.

Das hat die Zinsen für griechische Staatsanleihen in die Höhe getrieben. (zuletzt auf weit über 10 Prozent) Zu solche Zinssätzen ist kein Staat der westlichen Welt in der Lage, sich zu refinanzieren und der Hilferuf Griechenlands an die Europäische Union war konsequent.

Finanzhilfen & Sparmaßnahmen

Was die Lösung der griechischen Krise angeht, gibt es verschiedene Vorschläge. Der bislang von Europa verfolgte Weg sieht einmalige Finanzhilfen (110 Milliarden Euro wurden bereits bewilligt) und drastische Sparmaßnahmen der griechischen Regierung vor.

Andere plädieren für einen Austritt Griechenlands aus dem Euroraum und einen Schuldenschnitt bzw. eine Entschuldung über eine Abwertung der Währung.

Eurobonds

Linke Politiker Europas fordern Eurobonds, also gemeinsame Anleihen der Euro-Länder. Diese könnten – aufgrund der guten Gesamtbonität Europas – zu niedrigen Zinssätzen verkauft werden. Allerdings würden Eurobonds das bisherige Verhalten der Südeuropäer, viel billige Schulden zu machen, eher noch fördern, als es einzudämmen.

3 Kommentare 19.05.2018
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